Hoffnungsvoll leben


Bohnen © K. Glas

Eine Bohne für meine Geduld

Margit Reich, 09.02.2011


Im Vielerlei der Alltagsanforderungen den Kontakt zum himmlischen Chef halten?

 

In unserer Familie leben viele kleine und große Menschen, die Hunger haben, wenn sie von der Schule und vom Kindergarten heimkommen. Doch heute klappt das mit dem Kochen nicht – es ist schon ein Uhr – immer wieder werde ich von meiner eigentlichen Arbeit abgehalten. Es wird eng zwischen Herd, zum Kindergarten fahren, zerbrochenem Kompottglas aufwischen und dem Telefongespräch, das den Nachmittagsfahrdienst regelt. Und dann kommt das erste Schulkind mit schlechter Laune – „Was ist denn mir dir los?“ Mir ist klar, dass da jemand dringend und sofort mein "Dasein" braucht.

Der Herd muss auf mich warten und das Mittagessen auch. Es ist klar, dass immer etwas dazwischen kommen kann. Das ist normal. Wenn ich dann aber nicht die Ruhe verliere, das eine um das andere angehe, akzeptiere, dass der Tagesablauf gestört ist, dann ist mir das jedes Mal eine Bohne wert.

 

Und das geht so:

Morgens stecke ich mir zehn Bohnenkerne in die rechte Hosentasche – jedes Mal, wenn eine Überraschung des Tages von mir überstanden ist, wandert eine dieser Bohnen von der rechten Hosentasche in die linke:

• für die Extraportion Geduld beim Trösten des Schulkindes

• für das längere Telefongespräch

• dafür, dass ich nicht ausflippe, als das Kompottglas runtergedonnert ist

• für das späte Mittagessen

• für die Cappuccino-Zeitlang-Zeit mit meinem Mann, obwohl der Wäscheberg mahnt

• für das Einhalten meiner zehn Minuten Mittagsruhe

• für alles Alltägliche, das ich im Auftrag und in Verbindung mit Gott erledigt habe.

 

Und abends darf ich alle Bohnen aus den Hosentaschen leeren. Die aus der linken Seite genauso, wie die aus der rechten. Und ich lege sie als Zeichen für mein Bemühen ins Hausheiligtum. Alles was wandern konnte und auch das was nicht gewandert ist. Meinen ganzen Tag. Ich mache das nicht dauernd, aber immer wieder für mehrere Tage hintereinander, wenn ich denke, ich verliere im Vielerlei den Kontakt zum himmlischen Chef. Dann sind die Bohnen dabei und wollen wandern.

 

Aus: unser weg, Schönstatt Familienmagazin 2/2009

www.unserweg.com

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Kommentare

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