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Als Unterstützer geboren


Mit großer Freude habe ich mir vor einigen Wochen auf
Youtube Beiträge von dem bekannten Hirnforscher Gerald Hüther angeschaut. Er erzählt in einem Vortrag von einem wissenschaftlichen Experiment mit sechs Monate alten Babys:

Den Babys werden hintereinander drei Animationen gezeigt. Zunächst krabbelt ein kleines rotes Männchen mühsam den Berg hinauf. In der zweiten Sequenz müht sich dieses Männchen erneut den Berg hinauf. Hinter ihm erscheint ein grünes Männchen, das es immer wieder anschiebt, ihm hilft. In der dritten  Folge krabbelt das rote Männchen alleine den Berg hoch. Oben wartet ein gelbes Männchen. Als das rote Männchen fast oben angekommen ist, schubst das gelbe es hinunter.

 

Anschließend wurden den Babys jeweils das grüne und das gelbe Männchen als Figuren vor die Nase gestellt. Alle Babys griffen nach dem grünen Männchen - nach dem „Unterstützer“! Kaum ein Kind griff nach dem gelben. Der Versuch wurde mit dem gleichen Ergebnis x-mal wiederholt.

Später wurde das Experiment mit denselben Kindern im Alter von 1 Jahr wiederholt. Hier griffen mittlerweile 10-20% nach dem gelben Männchen - dem „Runterschmeißer“. Hüther erklärt sich das Ergebnis mit erlerntem Verhalten. Diese Kinder hatten offenbar in ihrem Umfeld erfahren, dass egoistisches, rücksichtsloses Verhalten zu größerem Erfolg führt.

 

Was mich an diesem Experiment begeistert hat: Die offenbar verlässliche Grüne-Männchen-Wahl der Babys! Wie kommt es dazu, dass alle kleinen Kinder nach dem „guten“ Männchen greifen, sich mit ihm identifizieren?

Mir gefällt die Erkenntnis des Versuchs: Wir werden alle als Unterstützer geboren!

Das bedeutet, wir kommen als soziale Wesen und gute Menschen auf diese Welt. Unser Schöpfer hat uns als gute Personen gedacht und erschaffen.

Hüther selbst spricht von einer "frohen Botschaft" , die im Ergebnis des Experimentes steckt. Wie schön! Leider passiert es im Laufe unseres Lebens, dass unsere soziale Anlage „verbogen“ wird, weil uns etwas anderes als erstrebenswert vorgelebt wird oder weil unser Gut-Sein verletzt wurde. Aber wir können immer wieder zurückfinden zu dem, „wer wir wirklich sind“- gute Menschen, die sich im Herzen berühren lassen , was sich auch in liebevollen Gesten zeigt.

 

Passend zu dieser Erkenntnis begegnete mir in dieser Adventszeit eine Unterstützer-Geschichte, die mir zeigt, dass dieser Unterstützer auch noch in größer werdenden Kindern lebt, obwohl die übernommene Rolle ein ganz anderes Verhalten vorschrieb: Im Wort-in-den-Tag wurde die bekannte Geschichte eines Krippenspiels erzählt, in der ein Junge seine Rolle als Herbergsvater verlässt.

Er bringt es nicht übers Herz, Maria und Josef wieder fortzuschicken, obwohl man ihm dies eingeschärft hat. Auf die Frage von Maria und Josef nach einer Herberge antwortet der kleine Junge in den Proben mit einem beherzten „Ja, gerne!“ In der Geschichte versteht der kleine Junge offenbar, um was es an Weihnachten geht. Es kann nicht sein, dass man denen, die in Not sind, die Türe vor der Nase zuschlägt. Zum Glück durfte der Junge vor dem Auftritt noch in die passendere Rolle des Engels schlüpfen...

 

Die Geschichte macht Mut, die vorgegebene Rolle oder Voreinstellung hin und wieder zu verlassen und das „Drehbuch“ umzuschreiben. Es ist nicht immer gut, was normal und üblich ist. Menschen sind meist nicht so, wie die Schublade, in die wir sie stecken. Es fehlt oft der Mut, uns außerhalb der Regel zu verhalten. Aber gerade das könnte in manchen Situationen das Menschlichere sein?

Vielleicht bietet Weihnachten die Chance, noch mehr zum Unterstützer zu werden, weil Gott die Frohe Botschaft bringt: Mensch, du bist gut! Und wenn Du Dich selbst wirklich als guter Mensch fühlst, wie die kleinen Kinder im Experiment, dann wirst Du Dich intuitiv mitfühlend als Unterstützer verhalten. Dann probierst Du auch mal was Anderes aus und wirst so zum Gastgeber Gottes!

 

Gott sei Dank, werden wir beim Erklimmen von Bergen nicht alleine gelassen. An Weihnachten wurde uns der große Unterstützer geboren!

Mögen wir seine heilende Nähe suchen und seine bedingungslose Liebe fühlen.

 

R.K.


 

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