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Sport als geistliche Übung

11.08.2025

Wie können wir die Erkenntnisse aus der Welt des Sports in unseren (spirituellen) Alltag integrieren? Eine Antwort aus der Perspektive der Schönstatt-Spiritualität.

Pater Josef Kentenich verstand Spiritualität nicht als weltabgewandte Frömmigkeit, sondern als lebenspraktische Verbindung von Natur und Gnade. Sein pädagogisches Konzept der „Persönlichkeitsbildung“ zielte darauf ab, den ganzen Menschen – Körper, Seele und Geist – in die Christusnachfolge zu integrieren. In diesem Licht interpretiert, könnte Sport nicht bloß körperliche Ertüchtigung sein, sondern ein Weg zur Erkenntnis und Entfaltung des „Persönlichen Ideals“ – jener einzigartigen Berufung, die jeder Mensch von Gott in sich hineingelegt finden kann.

Der Sportler oder die Sportlerin, die sich diszipliniert, Grenzen austestet und trotz Ermüdung durchhält, übt vielleicht genau jene innere Askese, die Kentenich als Voraussetzung für geistliches Wachstum sah und die wir nicht nur als „Geistliche Tagesordnung“, sondern ebenso im körperlichen Trainingsprogramm verwirklichen können. So kann körperliche Betätigung zum Gebet werden und die körperliche Aufrichtung zu einem Symbol für seelische Geradlinigkeit.

Für Kentenich ist das Persönliche Ideal der Schlüssel zur Selbstfindung – die Antwort auf die Frage: „Wer soll ich sein – und wie komme ich da hin?“ Im sportlichen Training kann sich das widerspiegeln: Dann steht etwa das Krafttraining für den Willen, das Ideal zu leben. Die Ausdauer kann die Treue im Alltag symbolisieren und die Balance verweist auf die Harmonie von natürlichen und übernatürlichen Kräften, die Kentenich im „Organischen Denken“ beschrieb.

Für Kentenich war geistliches Wachstum darüber hinaus kein Soloprojekt. Seine „Bündnisspiritualität“ lässt sich daher leicht auf den Sport übertragen: Teamspirit als Abbild der Kirche, das Fairplay als Tugendübung. So wäre Sport kein Selbstzweck, sondern ein mächtiges Werkzeug der Werktagsheiligkeit: Er formt den Charakter durch Übung, er vergeistigt den Leib durch Hingabe, er offenbart das Persönliche Ideal in der Gemeinschaft. Darin kann sich körperlich ausdrücken, was wir geistlich wissen: dass der Körper als Tempel des Geistes ein Ort ist, Gott zu erleben und ihm zu begegnen - jede Bewegung und jeder Atemzug eine Möglichkeit, Gott näherzukommen.

Magdalena Kiess

Quelle: Familienmagazin „WIR, Gott und die Welt“
www.wir-familienmagazin.de
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
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